Interview aufgezeichnet:
Village Stara Ushytsia, Kamianets-Podilskyi distrisk, Khmelnytskyi region26.09.2015
Pavlo Levytsky Ivanovytsch wurde 1933 geboren. Mit sieben Jahren ging er zur Schule. Er beendete die zweite Klasse. Und als er in die 3 Klasse ging, begann der Krieg.
Warum ist Ihr Vater nicht an die Front gegangen, als der Krieg begann?
Als der Krieg begann, wurde keine Mobilisation verkündet. Unser Dorf wurde sofort vom Feind besetzt. Die Eroberung fand sofort statt.
Wie haben die Nazis das Dorf besetzt?
Die Nazis angriffen das Dorf. Aber sie eröffneten kein Feuer, niemand wurde erschossen.
Versuchten die Einheimischen zu widerstehen?
Damals war es nicht wie jetzt. Die Menschen blieben ruhig zu Hause. Niemand ging draußen, denn man wurde erschossen.
Haben Juden im Dorf gelebt? Wenn ja, wie haben die Nazis sie behandelt?
Es gab viele Juden in unserem Dorf. Alle wurden erschossen. Ich denke, das geschah 1942. Die Nazis sammelten alle Juden in den Bergen und erschossen sie. Diejenigen, die nicht getötet wurden, wurden in eine Grube geworfen und mit Staub bedeckt. Auch wurden die lebendigen Kinder in die Grube geworfen. Dann war diese Grube noch zwei Tage „lebendig“. Das erzählte mir mein Großvater. Er warf die Grube zu. Die Juden gruben die Grube für sich selbst, aber unsere Leute warfen zu. Dort waren zwei riesige Gräber. Ich weiß nicht genau, wie viele Tausende von Juden getötet wurden.
Woher haben Sie das erfahren?
Mein Großvater erzählte darüber. Als Kinder gingen wir in die Berge, um zu sehen, was dort geschah. Es war deutlich zu sehen, wohin die Nazis Tausende von Juden führten. Sie gingen natürlich zu Fuß.
Wie verhielten sich die Nazis mit der lokalen Bevölkerung?
Die Nazis waren menschlich, aber die Schutzmänner waren ja schrecklich. Mein Großvater erzählte, dass „unsere“ Menschen erschossen. Die Nazis saßen auf einer Bank. Die Nazis lachten auch und sagten: „Der Russe den Russen schlägt, der Russe den Russen schlägt“
Was ist mit Ihrer Mutter während des Zweiten Weltkriegs passiert?
Die Nazis brachten meinen Bruder nach Deutschland. Die Mutter wollte ihn begleiten. Sobald sie im Nachbarort waren, bemerkte meine Mutter, dass sie das Geld das sie dem Bruder geben musste, vergaß. Sie rannte schnell nach Hause und holte meinen Bruder im Dorf Hrushka ein. Nach Hause zurückkehrend ging meine Mutter zur Tante um kaltes Wasser zu trinken. Ich kann mich nicht erinnern, ob es im Oktober oder im September passierte. Meine Mutter bekam Entzündung der Lungen und starb im Januar 1943. Mein jüngster Bruder war nur ein Jahr alt. Wir blieben bei der Großmutter.
Hat Ihr Leben nach der Naziokkupation verändert?
Wir lebten so wie früher. Aber es gab keine Kolchosen. Die Leute bekommen Felder, jeder arbeitete so viel, wie er kann. Die Nazis standen nicht im Weg.
Wie war die Einstellung der Nazis zur Religion?
Als die Nazis das Dorf okkupierten, öffneten die Menschen die Kirche an der Stelle des Kinos. Als die sowjetischen Truppen zurückkehrten, wurde statt Kirche ein Kino eröffnet.
Haben die Nazis die Schule geschlossen?
Während der Nazi-Besatzung gingen wir zur ukrainischen Schulen.
Wie war die Befreiung des Dorfes?
Wir hatten keine Kämpfe. Sie kamen leise – und gingen ziemlich leise. Die Nazis kapitulierten, die Sowjetarmee kontrollierte das Gebiet wieder. Und die Schlacht war bereits von Kamyanets.
Was ist mit Ihren Eltern passiert?
Als die Sowjetarmee uns befreite, schloss sich mein Vater ihnen an. Er nahm an Schlachten irgendwo in Rumänien teil. Ich weiß nicht genau, wo er getötet wurde. Wir haben einen Brief über seinen Tod erhalten. Ihn holte jemand von den Brüdern, Fedor oder Theodosius. Ich weiß nicht, wo er jetzt ist. Deshalb kann ich nicht genau sagen, wo er getötet wurde. Ich weiß nur, dass die Armee in Rumänien war, vielleicht wurde er dort getötet.
Und was ist mit euch nach dem Tod der Eltern passiert?
Wir blieben bei der Großmutter.
Wie viele Kinder gab es in der Familie?
6 Jungen. Der älteste wurde 1922 geboren, der fünfte – 1926 der dritte –1931. Ich war der vierte. Der fünfte wurde Fedir genannt. Meine Mutter bekam den sechsten Sohn, als der Krieg begann.
Wo bliebt ihr nach dem Tod des Vaters?
Ich und zwei andere Brüder gingen 1946 in das Waisenhaus. Wir sind dort aufgewachsen. Aber später nahm Großmutter uns zurück.
Warum hat Ihre Großmutter Enkelkinder in ein Waisenhaus geschickt?
Meine Großmutter schickte uns in ein Waisenhaus, weil wir nichts zu essen hatten. Dann war „ein hungriges Jahr“. Nur meine ältere Brüder blieben bei der Großmutter.
Warum gab es „ein hungriges Jahr“ im Dorf?
Die Hungersnot wurde durch die Dürre verursacht. Im Allgemeinen gab es keinen Regen.
Hat die Macht den Menschen geholfen? Sie haben auch in der Kolchose gearbeitet. Haben Sie dafür Geld oder Essen bekommen?
In der Kolchose arbeitete man, aber dafür bekam man kein Geld. Die Arbeit wurde aufgezeichnet, aber nicht bezahlt. Im Jahr 1950, als ich 12 Jahre alt war (in der Tat, mein Großvater Pawlo war 17 Jahre alt), arbeitete ich 90 Tage lang hart. Ich bekam einen Sack von Getreiden, d.h. 200 Gramm Getreide pro Tag.
Können Sie bitte Ihr Leben im Waisenhaus beschreiben?
Ich war ein Musiker. Es gab keine Musikschule im Waisenhaus, trotzdem lernten wir Musik. Wir nahmen an musikalischen Veranstaltungen in Khmelnitsky teil. Dort machten wir Musik „Zap“