
Ich möchte meine Eindrücke von der Teilnahme am internationalen Projekt „Die Geschichte beginnt in der Familie“ mit euch teilen. Der erste Teil des Projekts fand vom 03.07.2017 bis 09.07.2017 im Don-Bosco-Jugendzentrum in Lemberg statt.
An dem Projekt haben Jugendliche aus der Ukraine, Polen und Deutschland teilgenommen. Im Rahmen des Projekts haben wir die Familiengeschichten sämtlicher Teilnehmer diskutiert. Dabei haben wir uns hauptsächlich auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs konzentriert. Darüber hinaus hatten wir sehr viel Spaß bei zahlreichen Sport- und Denkspielen.
Wir haben auch die historischen Bezirke von Lemberg bei einer Schnitzeljagd erkundet. Ich persönlich war sehr beeindruckt von der Zitadelle, die Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde und deren Geschichte voller erstaunlicher Ereignisse ist. Im Zweiten Weltkrieg befand sich in der Festung ein nationalsozialistisches Konzentrationslager, das Stalag-328. Über 140 000 Menschen: Ukrainer, Russen, Polen, Italiener, Franzosen, Belgier wurden in diesem Lager zu Tode gefoltert.
Einen großen Eindruck hinterließ bei mir auch das Gespräch mit Stepan Horechyi, der im Rahmen der Unabhängigkeitsbewegung in den 1940er Jahren in der OUN und der UPA aktiv war. Er war für den Vertrieb von Informationsmaterial zuständig, das vom Untergrund herausgegeben wurde. Wegen dieser Tätigkeit wurde er vom sowjetischen Regime verhaftet und zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. Stepan Horechyi hat die Lager in Kengir, Spassk, Aktas, Saran und Karabach überlebt. Im Sommer 1952 wurde er nach Norilsk überstellt, wo er vom 26. Mai bis 4. August 1953 am Häftlingsaufstand teilnahm. Herr Horechyi hat uns sehr viel über das schwere Leben in den sowjetischen Lagern erzählt. Nach dem Gespräch mit ihm haben wir verstanden, dass ein Mensch dank seinem eisernen Willen alle Katastrophen und Folter zu überleben imstande ist.
Ich möchte mich zudem bei den Veranstaltern des Projekts „DIe Geschichte beginnt in der Familie“ bedanken: Oleksa Stasevych, Oleg Ovcharenko, Svetlana Arabadzhy, Lyudmila Levchenyuk, Olga Shevchuk, Marichka Polyulyuk, Elżbieta Pasternak und Benjamin Günther. Ich danke auch allen Teilnehmern des Projekts. In dieser kurzen Zeit wurden wir zu einer großen Familie. Ich freue mich auf das Wiedersehen in Polen im November!